Gedanken zum Intensiven

Von Axel Kreiser

Wenn ich selbst Intensives erfahren kann, kann ich es auch für andere produzieren? Bin ich als Künstler*in nicht prädestiniert anderen Menschen intensive Momente, große Erfahrungen zu schenken? Ist dies für alle Künstler*innen gleich? Erleben es Musiker*innen und Schauspieler*innen durch Aufführungen nicht viel direkter, als zum Beispiel ein Maler oder eine Dichterin, die selten dabei sind, wenn jemand durch ihre Arbeit einen besonderen Augenblick erfährt? Oder umgekehrt, erleben Künstler*innen, weil sie vielleicht Spezialisten für den erhabenen Moment sind, zwangsläufig auch den Alltag gesteigert? Der Schriftsteller Peter Handke formulierte in seinen Arbeiten die Absicht des gelungenen Tages. Dies meint nicht alleine die Verdichtung konkreter künstlerischer Projekte, sondern das Leben selbst mit seinen banalen oder komplizierten Handlungen soll poetisiert werden.
Zweifelsohne verlangt intensive Erfahrung eine Steigerung von Wahrnehmung sowie erhöhte Achtsamkeit gegenüber allen möglichen subtilen Zeichen und geringen Tätigkeiten. Über die Aspekte des Intensiven sich auszutauschen, Einblicke in Techniken zu bekommen oder über die Notwendigkeit zu persönlicher Haltung zu diskutieren, soll das Themenfeld Intensität bedeuten.

Foto: Szene aus „Opps! I dropped my compass“ (Gitarre: Jakob Wagner), Montepulciano 2018 (Kolleg/Fraquelli)